Schifffahrt in Havelberg

Luftaufnahme: Anleger Uferstraße Havelberg mit Fahrgastschiff am Kai
Anleger an der Uferstraße zwischen Touristeninformation und Havelstegbrücke, am Kai direkt am Wasser. Hier legt die Reederei Kaiser an.

Von der Uferstraße aus startest du zu Rundfahrten auf der Havel. Das Grundangebot ist die Fahrt ins Naturschutzgebiet; dazu kommen Tagesfahrten, Adventsfahrten und Sondertermine zum Bootskorso.

Abfahrt in Havelberg

Der Anleger liegt an der Uferstraße, zwischen Touristeninformation und der Fußgängerbrücke zur Campinginsel (Havelstegbrücke). Von hier fährst du die Havel aufwärts ins Naturschutzgebiet oder zu längeren Zielen wie Strodehne. Heimathafen der Reederei ist Tangermünde; Havelberg hat einen eigenen Anleger.

Es gibt keinen täglichen Linienverkehr. Die Fahrten stehen an ausgewählten Tagen im Kalender. Typisch sind zwei- und dreistündige Rundfahrten. Aktuelle Termine und Online-Buchung findest du auf der Seite der Reederei. Telefonisch erreichst du sie unter 0171 4218162, per WhatsApp unter 0171 4218162.

Preise und Buchung

Orientierungspreise der Reederei (Stand 2026, nach veröffentlichter Preistabelle):

  • 2-Stunden-Fahrt: 18 Euro Erwachsene, 15 Euro Kinder bis 12 Jahre
  • 3-Stunden-Fahrt: 25 Euro / 15 Euro
  • Tagesfahrten bis 8 Stunden: 40 Euro / 20 Euro
  • Tagesfahrten über 10 Stunden: 50 Euro / 25 Euro
  • Gruppen ab 15 Personen (2 Stunden inkl. Kaffeegedeck, Vorbestellung): 24 Euro pro Person
  • Jahreskarte: 99 Euro / 49 Euro
  • Adventsfahrt mit Gänsekeule und Feuerzangenbowle: ab 40 Euro

Tickets und Gutscheine buchst du online bei der Reederei. Änderungen sind möglich; vor der Anreise lohnt der Blick in den aktuellen Fahrplan.

An Bord: Gastronomie

Alle Schiffe der Reederei Kaiser bieten volle gastronomische Versorgung; die Bordküche ist besetzt. Für Gruppen wird auf Wunsch ein Kaffeegedeck vorbereitet. In der Adventszeit gehören Gänsekeule und Feuerzangenbowle zum Angebot. Individualgäste und Busreisegruppen sind willkommen.

Die Schiffe der Reederei Kaiser

Die Flotte umfasst drei Fahrgastschiffe. Je nach Saison und Anlass liegen unterschiedliche Einheiten in Havelberg. Am häufigsten zu sehen ist der Große Kurfürst.

MS Großer Kurfürst

Gebaut 1966 bei den Deutschen Industriewerken Spandau, seit Mai 2006 bei der Reederei Kaiser. Länge 51,20 m, Breite 8,20 m, Tiefgang 1,40 m, zwei Maschinen mit je 250 PS. Zugelassen für bis zu 500 Fahrgäste, davon rund 320 unter Deck. Das Schiff war zuvor jahrzehntelang in Berlin unterwegs.

Fahrgastschiff MS Großer Kurfürst am Anleger in Havelberg
MS Großer Kurfürst am Anleger Uferstraße

MS Elbkaiser

Gebaut 1993 auf der Yachtwerft Köpenick, seit 1998 bei der Reederei. Länge 32,0 m, Breite 5,10 m, Tiefgang 1,00 m, 150 PS. Bis zu 140 Fahrgäste, davon etwa 90 unter Deck. Oft gemeinsam mit dem Großen Kurfürsten in Havelberg zu sehen.

Fahrgastschiff MS Elbkaiser am Anleger in Havelberg
MS Elbkaiser am Anleger Uferstraße
Elbkaiser und Großer Kurfürst nebeneinander im Hafen Havelberg
Elbkaiser und Großer Kurfürst nebeneinander am Anleger

MS Präsident

Gebaut 1965 in Spandau, seit April 1996 bei der Reederei. Länge 50,0 m, Breite 8,00 m, Tiefgang 1,20 m, zwei Maschinen mit je 230 PS. Bis zu 400 Fahrgäste, davon 320 unter Deck. Bild folgt.

Großer Kurfürst am Anleger vor dem Aufbau der Festmeile zum Bootskorso
Großer Kurfürst am Anleger, im Hintergrund Aufbau zur Festmeile

Selbst Kapitän sein

Wer lieber selbst steuert, findet in kurzer Entfernung zum Anleger:

  • Yachthafen: Liegeplätze und Tretbootverleih (bei schönem Wetter ab etwa 11 Uhr, ohne Reservierung)
  • Kanus: Ausleihe über die Campinginsel
  • SUP-Verleih: Stand-up-Paddle über das Restaurantschiff Hoffnung, in der Saison ab 11:30 Uhr, ab 18 Jahren

Geschichtliches: Schifffahrt Berlin, Havelberg, Hamburg

Havelberg liegt an einer alten Wasserstraße zwischen Berlin und Hamburg. Ziegel aus dem Havelland, Holz, Getreide und Salz gingen den Fluss entlang; Berlin wurde sprichwörtlich „aus dem Kahn gebaut“. Um 1900 nennt die städtische Zeittafel Havelberg ausdrücklich als Winter- und Feierabendhafen zwischen Hamburg und Berlin. Die Stadt war Zwischenstation und sicherer Liegeplatz, wenn die Saison zu Ende ging oder das Eis drohte.

Frühe Dampfschifffahrt verband ab dem frühen 19. Jahrhundert Berlin mit Magdeburg und Hamburg. Die Strecke war anspruchsvoll: flache Stellen, wechselnde Wasserstände, später Konkurrenz durch die Eisenbahn. Für den Güterverkehr blieb die Binnenschifffahrt lange zentral; für Fahrgäste verschob sich der Schwerpunkt auf Ausflugs- und Tagesfahrten.

Schon Ende des 17. Jahrhunderts baute Brandenburg hier Schiffe. 1687 entstand auf Geheiß des Großen Kurfürsten die Kurfürstliche Werft Havelberg, angeregt vom niederländischen Kaufmann Benjamin Raule. In Havelberg wurden die Rümpfe gezimmert; wegen der flachen Elbe brachte man sie auf sogenannten Kamelen (Schwimmkörpern) nach Hamburg, wo Masten und Takelage folgten. 1779 folgte die Königliche Seeschiffswerft unter Leitung des schwedischen Schiffbauers Johann Samuel Sepelius.

Die Werfttradition ist nicht abgerissen. Nach DDR-Binnenwerft und Treuhandzeit übernahm die Familie Lewerken das Gelände; daraus wurde die Kiebitzberg Schiffswerft, die unter anderem Solarfahrgastschiffe für Berlin gebaut hat.

Fahrgastschifffahrt von Havelberg aus

Die heutige Fahrgastschifffahrt in Havelberg ist eng mit der Reederei Kaiser verbunden. Das Familienunternehmen wurde Anfang der 1990er-Jahre von Roland und Hannelore Kaiser gegründet und von der Tochter Tina Kaiser weitergeführt. Neben Havelberg und Tangermünde gibt es einen Anleger am Wasserstraßenkreuz Magdeburg-Rothensee. Befahren werden Elbe, Havel, Elbe-Havel-Kanal und Mittellandkanal.

Uferstraße damals und heute

Wo heute Kaimauer, Touristeninformation und Havelstegbrücke stehen, sah die Uferstraße 1974 noch anders aus. Die Aufnahmen aus dem Archiv Wolfgang Masur zeigen einen schlichten Uferstreifen: ein Schild „Städtischer Bootsverleih“, Bänke, kahle Bäume und Hochwasser bis an die Wiese. Auf einem der Bilder wäscht ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes einen Barkas B1000 direkt im Fluss. Keine Kaimauer, keine Brücke zur Campinginsel, keine große Touristeninfo. Die Zeiten haben sich geändert und der Anleger ist geblieben. Ein guter Ort, um von der Stadtinsel aus aufs Wasser zu gehen.

Uferstraße Havelberg 1974 mit Schild Städtischer Bootsverleih
Uferstraße 1974: Städtischer Bootsverleih. Archiv Wolfgang Masur
Barkas B1000 des Roten Kreuzes wird 1974 in der Havel gewaschen
Uferstraße 1974: Barkas im Fluss. Archiv Wolfgang Masur
Fahrgastschiff von oben am Anleger Uferstraße Havelberg
Anleger Uferstraße von oben: hier legen Großer Kurfürst und die anderen Schiffe an (Foto 2023)

Kurios am Anleger

Nicht jedes Anlegemanöver klappt auf Anhieb. Das kurze Video zeigt, was passieren kann, wenn ein Boot den Platz der Fahrgastschiffe ansteuert und die Reederei gerade nicht am Kai liegt. Hupen inklusive.

Verpatztes Anlegen am Reederei-Kai: Von der Wasserseite erkennt man den Platz kaum, wenn kein Fahrgastschiff da ist. Tipp an Wassergäste: Der Yachthafen liegt nur etwa 250 Meter weiter um die Kurve.

Kurzüberblick

  • Anleger: Uferstraße, zwischen Touristeninformation und Havelstegbrücke
  • Anbieter: Reederei Kaiser (Tangermünde), 0171 4218162
  • Schiffe: Großer Kurfürst, Elbkaiser, Präsident
  • Typische Fahrten: Naturschutzgebiet, Strodehne, Tagesfahrten, Bootskorso, Advent
  • Buchung: online auf reederei-kaiser.de
  • Selbst fahren: Yachthafen (Tretboot), Campinginsel (Kanu), SUP am Schiff Hoffnung

Quellen u. a.: Reederei Kaiser (Flotte, Fahrplan Havelberg), Hansestadt Havelberg (Fahrgastschifffahrt, Zeittafel Winterhafen um 1900), Wikipedia (Kurfürstliche Werft Havelberg, Königliche Seeschiffswerft, Werften in Havelberg, Grosser Kurfürst Schiff 1966), historische Fotos Uferstraße 1974: Archiv Wolfgang Masur.

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